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Einführung

Einige Samen keimen ganz einfach ohne Hilfe, insbesondere Unkräuter! Andere Varianten sind aber hochempfindlich und sollten unter kontrollierten Bedingungen angesät sein. Diese Pflegeanleitung, von Thompson & Morgans Gartenbauexperten geschrieben, hilft Ihnen, Ihre Blumen- und Gemüsesamen erfolgreich zu ziehen.

Die Aussaatzeit hängt vom Saison und Ort ab – bei kaltem Wetter ist es besser, die Samen etwas später auszusäen, denn die Kälte kann die Keimung verhindern. Späte Aussaaten werden einholen und erfolgreich keimen.

Mit dieser Anleitung geben wir Ihnen allgemeine Informationen zur Aussaat und empfehlen, dass Sie die Aussaatzeit nach dem Wetter in Ihrem Wohnort anpassen. Bitte die Informationen auf der Samentüte sorgfaltig lesen, denn diese geben Ihnen die genaue Aussaathinweise.

Tipps und Tricks zur erfolgreichen Keimung

Dunkelkeimer/Lichtkeimer

Samen, die Licht brauchen (Lichtkeimer), sollten bis zur Keimung vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, denn dies kann die neue empfindliche Blätter schaden. Es ist nicht nötig, die Aussaaten mit Zeitschriften oder Paketpapier zu bedecken.

Dunkelkeimer sollten in vollständiger Dunkelheit gehalten werden, um die Keimung zu fördern.

Bewässerung

Samen brauchen Wasser zu keimen, eine feine Brause ist ideal. Die Aussaaterde darf nicht austrocknen, sollte aber nur feucht gehalten werden.

Kompost/Aussaaterde

Die meisten Universal- oder Anzuchterden passen zur Aussaat, außer wenn wir eine spezielle Erde empfehlen, wie z.B. Pflanzerde für Moorbeetpflanzen (ericaceous). WICHTIG! Bitte nur Anzuchterde ohne jegliche Zusatzdünger nutzen.

Der richtige Pflanzabstand

Bitte die Hinweise auf der Samentüte sorgfaltig lesen, denn das Vereinzeln wird schwieriger und ein zu enger Pflanzenabstand kann Pilzkrankheiten (wie z.B. Umfallkrankheit) fördern.

Töpfe und Schalen

Wenn Sie alte Töpfe und Schalen nutzen, ist es erforderlich, diese sorgfaltig zu reinigen, um Krankheiten zu beseitigen, weil diese Ihre Aussaaten schaden können.

Vermiculite/Sämereien-Starter

Samen können entweder dünn mit Anzuchterde oder Vermiculite bedeckt werden (aber nur wenn es nötig ist: einige sollten nicht bedeckt werden).Thompson & Morgan hat im Lauf der Jahre gefunden, dass es nützlich ist, die Aussaaten mit Vermiculite zu bedecken. Dies verbessert die Keimung, verringt das Umfallkrankheitsrisiko und fördert kräftige, gesunde Pflanzen. Deshalb bedecken wir hier bei Thompson & Morgan Samen nur mit Vermiculite.

Wenn Sie Samen aussäen und diese auf der Anzuchterde nicht sehen können, bedeutet es normalerweise, dass Sie sie nicht bedecken dürfen. Wenn sie aber sichtbar sind, sollten sie am besten mit Vermiculite bedeckt werden. Ausnahmen sind große Samen, wie z.B. Akelei und Eryngium, die nicht bedeckt werden dürfen.

Die Samen sind in Kategorien geteilt und können hier mit den folgenden Abkürzungen identifiziert werden:

HA - Hardy Annual (winterharte Einjährige)

Einjährige Pflanzen leben nur eine Saison lang. Am Frühlingsanfang angesät, diese Blumen reifen und blühen im Sommer. Nach der Samenbildung sterben sie ab. Blumen unter dieser Pflanzenart können direkt an den Blütenstandort angesät werden.

HHA - Half Hardy Annual (halbwinterharte Einjährige)

Auch diese Blumen keimen, blühen und absterben in einer Saison, brauchen aber eine längere Wachstumsperiode als die winterharte Einjährige. Halbwinterharte Einjährige sind frostempfindlich und sollten also erst ausgepflanzt werden, wenn kein Frost mehr zu erwarten ist. Sie sollten am Frühlingsanfang in Töpfe oder Schalen angesät und in einen warmen, hellen Standort (Zimmergewächshaus, sonnige Fensterbank, Wintergarten oder geheiztes Gewächshaus) gestellt werden.

Viele Blumen für Sommerbeeten wie Begonien, Petunien und Fleißiges Lieschen fallen in diese Kategorie.

HB - Hardy Biennial (winterharte Zweijährige)

Das Lebenszyklus beträgt zwei Jahre von der Keimung bis zur Samenbildung. Diese Kategorie enthält u.a. Myosotis, Goldlack und Glockenblumen. Angesät im Frühling oder Sommer, die Jungpflanzen sollten dann im Herbst oder Frühlingsanfang umgepflanzt werden. Die Blütezeit erfolgt ungefähr 12 Monate nach der Aussaat.

HHP - Half Hardy Perennial (halbwinterharte Mehrjährige)

Diese Pflanzen werden im ersten Jahr blühen, wenn sie am Jahresanfang in einem Zimmergewächshaus oder geheiztem Gewächshaus angesät werden. In diese Kategorie fallen Dahlien, Mittagsgoldblume, Geranien und Affenblume, die genau wie halbwinterharte Einjährige gezüchtet und nach der Blüte weggeworfen werden sollten. Es ist aber möglich, Geranien vor dem ersten Frost aus der Erde zu heben und in einem frostfreien Standort zu überwintern. Dahlien und andere Knollenpflanzen können im Spätherbst gehoben und gelagert werden.

HP - Hardy Perennial (winterharte Mehrjährige)

Rabattenpflanzen wie Rittersporn und Lupinen gehören zu dieser Pflanzenart und blühen Jahr für Jahr. Sie können wie winterharte Zweijährige gezüchtet werden, viele Gärtner ziehen es aber vor, die Samen von Januar bis März oder von Mai bis Juni in Schalen unter Glas anzusäen. Wenn die Jungpflanzen groß genug sind, werden sie an den Blütenstandort ausgepflanzt. Einige Varianten blühen bereits im ersten Herbst nach der Aussaat.

G – Greenhouse / Indoor (Gewächshaus-/Zimmerpflanzen)

Diese Pflanzen vertragen die Kälte überhaupt nicht und werden somit nur als Zimmer- oder Gewächshauspflanzen gezogen.

S – Shrub / Strauch

T – Tree / Baum

Bb – Bulb / Blumenzwiebeln

Aussaat direkt an den Blütenstandort (Direct sowing / sow in situ)

Viele Einjährige können direkt an den Blütenstandort ausgesät werden. Die Bodenvorbereitung ist sehr wichtig: Unkraut und große Steine entfernen, und den Boden zu einer feinen Krume harken. Vor der Aussaat sollte die Erde locker, frei von Unkraut, feinkrümelig und feucht aber nicht naß sein. Schwere Boden (Tonboden) können durch Humus oder Sand verbessert werden, und leichte, sandige Boden brauchen etwas Humus, Gründünger oder Fertigkompost.

Einjährige und winterharte Mehrjährige können ab Winterende ausgesät werden, sobald sich die Erde ausreichend gewärmt hat und wenn kein Frost mehr zu erwarten ist. Sie können entweder in Reihen oder breitwürfig säen, Angaben dazu finden Sie auf der Rückseite jeder Samentüte. Mit einem Rechen eine Reihe vorbereiten und die Samen auf die empfohlene Aussaattiefe und Reihenabstand aussäen, und dann mit feiner Erde abdecken und leicht andrücken. Bei trockenem Wetter das Saatbeet vor der Aussaat gießen. Eine gute Bodenverbindung und gleichmäßige Feuchtigkeit sind hier notwending, damit die Samen keimen können.

Zu dicht ausgesäte Samen sollten gerade nach der Keimung vereinzelt werden, vielleicht auch nachdem die Jungpflanzen etwas größer geworden sind. Der Pflanzenabstand ist wichtig, denn die Jungpflanzen brauchen ausreichend Platz zum Wachsen. Unkräuter müssen sehr früh gejätet werden.

Aussaat unter Glas (Undercover sowing)

Ideal für die Aussaat von Mehrjährigen und halbwinterharten Einjährigen. Mit den richtigen Bedingungen wird Ihr Saatgut erfolgreich keimen. Sie brauchen jedoch keine spezielle Geräte, um dies zu tun. Sollten Sie kein geheiztes Zimmergewächshaus besitzen, können Sie Ihre Aussaaten einfach auf einem Heizungskessel oder einer sonnigen Fensterbank stellen, oder auch in einem Wäschetrockenschrank zwischenlagern. Aussaaten können in einem durchsichtigen Plastikbeutel verschließt werden, dies dient als eine Abdeckung, die Ihre Aussaaten schützt und die Feuchtigkeit hält. Angaben zur Pflanzabstand und –tiefe finden Sie auf der Samentüte. Dunkelkeimer können nach der Aussaat mit alten Zeitungen bedeckt werden.

Eine Tagestemperatur von 18 bis 24ºC und eine Nachttemperatur bis max. 12,5ºC reicht für die meisten Aussaaten unter Glas. Sobald die Sämlinge erscheinen, entfernen Sie die Abdeckung (oder Plastikbeutel), aber die Aussaatgefäße immer noch warm halten, damit die Sämlinge sich auf kühleren Bedingungen gewöhnen können. Die Tagestemperatur kann nun bis 15-18ºC reduziert werden, und die Sämlinge sollten in einem hellen Standort gestellt werden, aber geschützt vor direkter Sonne, um plötzliche Temperaturwechsel zu vermeiden, welches die Sämlinge schaden können. Diese allmähliche Gewöhnung hilft, kräftige Pflanzen zu produzieren.

Wenn die Sämlinge gut gewachsen sind und kein Frost mehr zu erwarten ist, sollten sie an die Außentemperaturen gewöhnt werden.

Die meisten Mehrjährigen können vom Herbstende bis Hochsommer ausgesät und in Töpfe oder Schalen weiterkultiviert, dann am Ende Frühling oder im Herbst für eine Blüte im folgenden Sommer pikiert werden.

Zwei- und Mehrjährige erfolgreich aussäen (Sowing biennials and perennials)

Zweijährige sollten am besten in ein Saatbeet ausgesät werden, damit sie bis zur Umpflanzung ganz ruhig keimen können. Die im Frühling ausgesäte Jungpflanzen dürfen im Herbst an den Blütenstandort umgepflanzt werden. Bei trockenem Wetter gut gießen und den Boden immer unkrautfrei halten. Flüssigdünger bis maximal 6 Wochen vor der Umpflanzung geben, und zwar nur gelegentlich.

Die meisten Mehrjährigen können ab Ende Herbst bis Hochsommer unter Glas (z.B. Anzuchtstation, Gewächshaus) ausgesät werden. Diese sollten in Töpfe weiterkultiviert und am Ende Frühling oder im Herbst ausgepflanzt werden. Die Blütezeit erfolgt im Sommer.

Es ist aber auch möglich, Mehrjährigen wie Lupinen, Stockrosen und Rittersporn im Frühling in ein Saatbeet anzusäen. Diese dürfen im Herbst an den Blütenstandort ausgepflanzt werden. Die Blütezeit erfolgt in der folgenden Saison. Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass die Blätter dieser Pflanzen im Winter absterben wird, es ist deshalb notwendig, den Standort mit Pflanzen-Etiketten zu markieren. Mehrjährigen bleiben viele Jahre im gleichen Standort, Sie sollten also den Boden gut vorbereiten, damit Ihre Pflanzen kräftig und gesund bleiben.

Der Boden sollte gut-durchlässig sein, denn Staunässe schaden die Pflanzen. Um die richtige Feuchtigkeit zu halten, geben Sie vor der Auspflanzung viel Kompost (selbstgemachtes, Pilzkompost oder Komposterde). Mit organischem Düngemittel wie Fischmehl oder Algensaft düngen, um ein gesundes Pflanzenwachstum zu fördern.

Pikieren/Verpflanzen (Pricking Out / Transplanting)

Die Sämlinge pikieren, sobald nach den Keimblättern (auch als Kotyledon genannt) und die ersten Blättchen erscheinen, um die Pflanzen zu vereinzeln und ihnen dadurch mehr Platz zum Wachsen zu geben. Größere Sämlinge wie Zucchini können normalerweise vor der Erscheinung der ersten Blättchen pikiert werden. Eine Aussaat in Töpfe (je 1 Samen pro Topf) ist hier sehr empfehlenswert.

Vor der Pikierung Ihre Töpfe und Schalen vorbereiten – mit Blumen- oder Pflanzerde füllen, leicht festigen, gießen und 10-15 Minuten warten lassen. Machen Sie kleine Löcher mit einem Pflanzholz (Pikierstab), die die Wurzeln genug Platz bieten. Die Wurzeln sind sehr empfindlich und sollten nie behandelt werden. Fassen Sie die Sämlinge nur an den Keimblättern stecken Sie sie sorgfaltig in den Löcher. Die Erde langsam um die Sämlinge fest drücken. Bitte darauf achten, dass die Wurzeln tief genug sind, damit die Pflänzchen aufrecht bleiben. Dies verhindert auch das Umfallkrankheitsrisiko. Nach einiger Wochen etwas Flüssigdünger dazugeben.

Pflanzen abhärten (Harden off)

Unter Glas ausgesäte halbwinterharte Einjährige und Mehrjährige und einige Gemüsearten sollten mindestens 10 Tage vor der Auspflanzung allmählich an die Außentemperaturen gewöhnt werden. Stellen Sie Ihre Jungpflanzen tagsüber für einige Stunden bei mildem Wetter im Freien an einen geschützten Platz. Die Pflanzen sollten in der Nacht wieder drinnen gestellt werden. Die Zeit im Freien langsam steigern, damit Ihre Pflanzen ausgepflanzt werden können, wenn kein Frost mehr zu erwarten ist. Die Pflanzen gießen, aber vor starkem Regen und kaltem und heftigem Wind schützen.

Spezialbehandlung von verschiedenen Samenarten

Die Keimung von einigen Varianten kann durch Vorbehandlung gefördert werden. In den meisten Fällen ist es nicht unbedingt nötig, aber die Keimung wird länger dauern.

Anritzen (Chipping oder Scarifying)

Einige Samen wie Wicken und Winden sind mit einer harten Hülle, die vor Feuchtigkeitsaufnahme schützt, umgeben. Um die Keimung zu beschleunigen, können Sie die Hülle über Schmirgelpapier ziehen oder mit einem scharfen Messer (am weitesten entfernt von der ‘Auge’) anritzen. Sehr kleine Samen können mit einem Nadel gestochen werden. Einige unserer Geranien-Samen wurden bereits angeritzt.

Einweichen/Vorquellen (Soaking)

Samen einzuweichen ist sehr nützlich – es weicht die harte Samenhülle und auslaugt Chemikalieninhibitor, die die Keimung verhindern. Lassen Sie die Samen 1-3 Stunden in lauwarmem Wasser einweichen. Wenn Sie die Samen länger vorquellen lassen, wechseln Sie täglich das Wasser.

Stratifizieren (Pre-Chilling)

Einige Varianten keimen sehr langsam und unregelmäßig. Lesen Sie hier zwei Methoden, die Keimung anzuregen:

1. Im Winter aussäen und die Töpfe in einen Kalt-Rahmen stellen.
2. In Töpfe mit feuchter Aussaaterde ansäen, die Töpfe in einem Plastikbeutel verschließen und 3 Tage bei 15-18ºC kultivieren, dann die Töpfe (immer noch im Plastikbeutel) in den Kühlschrank bei 5ºC stellen. Die Saat feucht aber nicht nass halten. Kontrollieren Sie einmal pro Woche die Samen und wie auf der Samentüte beraten weiterkultivieren. Die restliche Samen können bis zur Keimung im Kühlschrank bleiben. Nach der Stratifizierung ist ein heller Standort erforderlich, die stratifizierte Samen sollten deshalb nur leicht mit Vermiculite bedeckt werden.

Umfallkrankheit (Damping Off)

Dies ist eine pilzliche Krankheit, die die Sämlinge nach der Keimung befällt. Um die Umfallkrankheit zu vermeiden, saubere Töpfe und Schalen und neue Anzuchterde nutzen, dünn aussäen, rechtzeitig pikieren und die Erde nur feucht halten. Junge Saat mit einer kupferhaltigen Mittel oder Schachtelhalmtee überbrausen.

Winzige Samen (Tiny Seeds)

Einige Samen sind winzig wie Staub (wie bei Begonien) und sehr schwierig zu behandeln. Um diese Samen erfolgreich auszusäen, füllen Sie einen Topf mit Anzuchterde, etwas Erde darauf sieben und leicht andrücken. Mit einer feinen Brause gießen und 10-15 Minuten durchlassen. Fügen Sie etwas feinen Sand der Samentüte hinzu und leicht schütteln, um die Samen und den Sand zu mischen. Streuen Sie die Sand-Samen-Mischung über der feuchten Erde – der Sand hilft Ihnen, die Samen zu sehen. Die Saat nicht bedecken, aber leicht andrücken, um eine gute Bodenverbindung zu gewährleisten. Verschließen Sie die Aussaatgefäße in einem Plastikbeutel, welches als Zimmergewächshaus dient und eine gleichmäßige Feuchtigkeit bewahrt. Winzige Samen sind empfindlich und es ist notwendig, die Aussaaten bei der korrekten Temperatur zu halten, um eine erfolgreiche Keimung zu versichern.